metalfanatics - heavy metal fanzine - austria


Metalfest 2010: Headbangen im Regen

Info:
Verfasser:Bertl, Kreuznagel, Aamon
Homepage:www.metalfest.eu
Fotos:Fotos Teil 1: www.metalfanatics.net/fotoshow_metalfanatics/thumbnails.php?album=140

Fotos Teil 2: www.metalfanatics.net/fotoshow_metalfanatics/thumbnails.php?album=141

online seit:
2010-06-04

Das Summernights Open Air in Mining ist Geschichte. Ein paar Meter weiter liegt Mamling und dort rocken die Metalfans 2010 am Metalfest Open Air. Die Macher dahinter sind die gleichen geblieben, neu ist aber das Konzept einer kleinen Festival-Tour durch die 5 Länder Schweiz, Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien, die dem Festival einerseits zwar etwas den nationalen Charme nimmt, andrerseits aber auch viele Vorteile bringt. Das Bandbooking ist damit preiswerter und daraus hat sich auch ein Mehrwert für die Fans ergeben: Das Lineup dieses Jahr war überraschend stark hinsichtlich der erwarteten Zuschauermenge. Andere Bereiche wie Händlermeile oder Zuschauer-Catering waren viel besser besetzt als die Jahre zuvor.

Mit dem neuen Gelände wurden auch sehr viele Infrastruktur-Mängel beseitigt. Metalfest 2010 war das Festival der kurzen Wege. Der große Campingplatz direkt am Eingang zum Mainstagebereich. Auto-Camping war endlich möglich.

Endlich ein großes österreichisches Metalfestival, wie man es aus dem benachbarten Ausland seit Jahren kennt! Leider weniger Metalheads als erwartet: 3500-4000 ist sicherlich unter den Erwartungen trotz dem hohen Prozentsatz an deutschen Besuchern.

Die beiden leidigen Themen und Kritikpunkte des Festivals waren das Wetter und der Sound.

Regen war für alle Tage angekündigt, kam auch und verwandelte Teile des Areals in Schlamm. Man dachte unweigerlich an die geniale Idee vom letzten Jahr: Die Auslegung des gesamten Mainstagebereichs mit Planen. Das hatte man auch dieses Jahr vor, aber leider waren die Planen für das unebene Gelände nicht geeignet und hätten erst recht Lackenbildung begünstigt. Die gab's aber auch ohne Planen und sie wurden leider etwas lieblos mit zu wenig Holzspännen beseitigt. Pfützen neben Bergen von Holzspännen! Fürs nächste Jahr gelobt man hier Besserung und fürs nächste Jahr wird aus Witterungsgründen auch der Termin auf Ende Mai verschoben.




Dennoch unverständlich: Die Aufgeber, die Schlecht-Ausgerüsteten, die nach einer Regennacht aufgeben und heimfahren. Sie waren auch die Dummen, denn: Tag 2 und Tag 3 war faktisch regenfrei. Da ging's nur noch um die Bewältigung der Kälte mittels einiger Schichten Jacken und Shirts, die man generell mithaben sollte. Apropos Shirts: Die T-Shirtverkäufer sind bei solchen Witterungen naturgemäß arm dran, aber hoffentlich auch nächstes Jahr mit ähnlich großer Auswahl am Start.

Der Sound und die Musik ist das wichtigste bei einem Musikfestival. Dieser aber war bei vielen Bands eindeutig zu schwach, doch was war der Grund? Es gab eine Pegelbegrenzung seitens der Behörden, die bewirkt hat, dass man sich z.b. bei Marduk in der ersten Reihe unterhalten konnte, während die Band das gewohnt hohe Energielevel fuhr. Das waren seltsame Augenblicke. Für die bandeigenen Mischer bedeutet eine geringe Lautstärke aber auch: Schwerer zu mischen. Der alleinige Grund kann das aber nicht gewesen sein: Oft sind auch die bandeigenen Sound-Einstellungen und unfähige Mischer schuld am Debakel. Bands, wie Bolt Thrower klangen z.b. großartig, gewohnt fett. Da könnten aber auch etwas mehr Dezibel im Spiel gewesen sein.

Auch hier wird’s nach dem Resume der Veranstalter eine Besserung fürs nächste Jahr geben. Entweder denken die Behörden um oder man reduziert die Hauptbühnen auf eine einzige, was Umbaupausen erzwingt. Interessanterweise wird die Lautstärkenbelastung zeitlich prozentuell erfasst.

Unser Team strotzte natürlich dem Wetter und befasste sich mit den beiden Hauptanliegen eines jeden Festivals:

Die Party und die Musik:

Die große Party ging abends und tagsüber in der Donnerkugel des Wiener Rock Addicted-Teams ab. Gute DJ's, viele Metalklassiker, besoffene Metalfanatics und ein Spitzensound. Sollte Standard auf jedem Metalfestival sein.




Die Musik gab's auf 3 Stages. Vorbildlich übrigens der zu großen Teilen eingehaltene Spielplan!

Here we go:

Alles neu macht der Mai – so oder ähnlich könnte das Motto für Bertl und Gattin lauten, die zum ersten mal mit richtigem Navigationssystem der ohralen Entjungferung durch das Metalfest entgegenfieberten. Das überschaubare Areal in Mining im Innviertel bot den perfekten Rahmen dafür, und los ging es gleich am Mittwoch mit der Napalm Label Night.

Bewaffnet mit einer aktuellen Granate wie „Mulmets viser“ konnten die Mannen um THOR BAGER (offensichtlich kein Pelzgegner ;-)) nichts falsch machen. Entsprechend fielen die Reaktionen im gut gefüllten Zelt aus, und wer bei „Aethelred“ nicht sein Horn (egal, ob real oder virtuell) in die Höhe hob, dem war sowieso nicht mehr zu helfen. Raise your horns for Svartsot.

SERENITY sind nur ein Beispiel dafür, wie abwechslungsreich das Billing des Metalfests war, und so wurde es mehr als symphonisch, als Serenity, ausgestattet mit 3 (!) begnadeten Stimmen, die Bühne enterten und Gänsehaut am laufenden Band erzeugten – und dass Georg Neuhauser sowieso der heimliche Anwärter auf den Posing Thron des Festivals ist, steht außer Zweifel. Bei „Coldness kills“ und „Velatum“ war der Rezensent dann bei weitem nicht der einzige, der beinahe vor gerührter Glückseligkeit vergangen wäre – eine große dramatische Band.

Nach kurzer Verschnaufpause auf dem Gelände vor dem Zelt waren bereits die Klänge der nächsten Band zu vernehmen, und genau das macht deren Charme aus, denn nicht nur von etwas entfernt klangen VAN CANTO wie eine Band mit realen Instrumenten. Die Halle mittlerweile proppenvoll, gab es um die Mannen und Dame um Herrn Schunke alles andere als Schunkeln, es gab glücklich machendes Rakkatakka und Dilidili und Dumdudumdum. Während des viel zu kurz anmutenden Sets zogen Van Canto alle Register an Spielfreude und Spaß, was sich naturgemäß auf das anwesende Publikum übertrug – persönliches Highligt: „Master of puppets“, zwar gekürzt dargebracht, aber annähernd so druckvoll wie das Original (!!!) – Van Canto – höchst innovativ und mehr als unterhaltsam.

Wirkten TYR vor einigen Jahren noch eher verhalten in ihrer Bühnenpräsenz, so haben sie sich mittlerweile zu einem veritablen Bühnenact gewandelt und hielten den heidnischen Hammer an diesem Abend so hoch, dass fast alle Kettenhemden zu schmelzen drohten und das Zelt in seinem eigenen Schweiße kochte.

Ein Augen- und Ohrenschmaus bei CORVUS CORAX, deren naturgemäß nicht abgenommene Spielmannskunst inklusive entsprechenden Bühnenaufbauten und passender Adjustierung für Kurzweil sorgte und den lärmgeplagten Ohren unterhaltsame Entspannung bot.

SHINING: Musik als Ausdruck der inneren Pein, der kurzfristige Katalysator, der dem Schmerz angesichts des Seins das passende (Toten-)Gewand verleiht und fast schon aktionistischen Charakter mit brutaler Ehrlichkeit hat – das waren die Gedanken, die mir durch den Kopf schossen, als ich Shining und vor allem Kvarforth bei der Zelebrierung ihrer Qualen beiwohnen durfte. Wozu Freundlichkeit demonstrieren, wenn dies gar nicht erforderlich ist ? Das ist eine berechtigte Frage, denn wenn 5 Musiker dermaßen intensiv zu Werke gehen, dann ist das Ziel nicht die Erzeugung von Stimmung (die jedoch zweifelsohne, wenn auch etwas verhaltener, vorhanden war), sondern die Vermittlung einer Philosophie, einer Anschauung – Shining boten einen erschreckenden, aber nachdenklich machenden Einblick in die Seele des in schwarzen Abgründen gefangenen Musikers, dessen Schaffen und Darbietung existentielle Notwendigkeit und nicht Vergnügen darstellt. Die bekannte Zigarettenausdrückung auf dem eigenen Leib und das Küssen des Gitarristen sind dabei nur Stilmittel, nicht der Provokation (denn provokant wirkt derartiges heutzutage definitiv nicht mehr), sondern eines Gesamtkonzeptes, das die Musiker nackt und bar wie ausgeweidet vor ihrem Publikum ausbreitet und erahnen lässt, welche Dämonen den Jim Morrison des Black Metal und seine Weggefährten dazu bringen, Meisterwerke und Abbilder des eigenen Innenlebens wie „Klagopsalmer“ zu produzieren. Wahrlich eine Grenzerfahrung der besonderen Art.

Was sofort bei DEATH ANGEL auffällt, ist die unbändige Energie, mit der Rob Cavestany und seine Mannen die Bühne entern – und in dieser Tonart geht es weiter. Entsprechend liefern DA für alle Anwesenden etwas: Nostalgie in beeindruckender Energie für die „Älteren“ und eine neu entdeckte, auch heute noch moderne „alte“ Band für die „Jüngeren“ – eine Zeitreise der mitreißenden Art – und bei „Voracious Souls“ war das Glück sowieso perfekt...

Eine Band wie GRAILKNIGHTS darf eigentlich auf keinem Festival fehlen – Superhelden Metal (!!!) mit viel Augenzwinkern, Special Guest-Auftritten des Sensenmanns und anderen, pathetischen Posen ohne Ende und einfach nur guter Laune...

Man kann puristisch sein und SEPULTURA in ihrer aktuellen Besetzung als die nicht wahren Sepultura bezeichnen – isoliert betrachtet stehen sie jedenfalls für beste Thrash-Garantie, doch es wird wohl wie auch dieses Mal ihr Schicksal sein, den frenetischsten Zuspruch bei Jahrhundertnummern wie „Roots Bloody Roots“ zu erhalten...

SIX FEET UNDER – wallende, fast bodenlange Dreadlocks, ein prächtig aufgelegter und ultracooler Chris Barnes, Hit after Hit, Grunts and Squeals, einfach gut, einfach Six Feet Under.

TWILIGHT OF THE GODS: Die All Star-Coverband um Primmordial-Fronter Alan Averill ehrte spätabends bei strömenden Regen Quorthon und Bathory. Das Wetter passte zwar bestens zu den Songs, aber viele taten sich den Gig nicht mehr an. Sie haben aber definitiv was verpasst. Auch wenn einige Klassiker leider auf der Strecke geblieben sind: Mit Songs, wie „A Fine Day To Die“ oder „Valhalla“ und einem gewohnt intensiven Alan Averill kann nicht viel schiefgehen. Wer nicht dabei war: Keine Sorge: Twilight Of The Gods (Alan Averill - Primmordial, Nick Barker - Benediction, Cradle, Dimmu, Frode Glesnes - Einherjer, Blasphemer - Aura Noir, Mayhem, Patrik Lindgren - Thyrfing) ist für die kommende Heidenfest-Tour als Headliner bestätigt!




OUTRAGE: Die österreichische Antwort auf Six Feet Under haben mittlerweile viel mehr zu bieten, als den simpel gesetzten Groove Metal der Anfangstage. Wie ein Derwisch fegte die Band zur Prime Time im vollem Zelt alles weg. Das Tempo ist mittlerweile höher. Die Band agiert abwechslungsreicher. Frontsau Max ist wie immer eine Macht. Und die Band ist auch vor quasi-internationalem Publikum angekommen. Nächstes Jahr dann auf der Hauptbühne!




HARMANIC: Madmen, thy names are HARMANIC. Wirkten sie beim Bühnenaufbau noch wie Schwiegermutterns Lieblinge in bezug auf das Honigkuchenpferd-Grinsen, so genügte der erste Takt von “To tread forsaken ground”, um die 5 Jungs um Ausnahmeshouter Preb Velankanny in bangende Berserker zu verwandeln, die ihre Granaten mit energetischer Spielfreude und atemberaubender Präzision ins Publikum schossen (Thomas Cadek – die österreichische Antwort auf Dave Lombardo !!!!). Gnadenlos gings weiter mit „Forced upon the throne“ (es muss aber wohl niemand gezwungen werden, Harmanic auf den Deat Metal-Thron zu heben, das passiert freiwillig) inklusive CD-getreuem Klargesang – Abwechslung wird hier wirklich mehr als groß geschrieben, rasende Blastbeats wechseln sich ab mit Thrash-Galopp, nackenbrechenden Midtempo-Parts und mitreißenden Harmanien (Wortspiel, Achtung !). Entsprechend wirkte sich diese Mixtur auf die Nackenwirbel des Rezensenten aus (mein Chiropraktiker wird sich freuen). „Sacrificial Blood“ beendete ein viel zu kurzes Set , das erahnen lässt, dass man von Harmanic noch viel hören wird. PS: Absoluter Respekt für die Metal-Mama vor der Bühne.

PARKWAY DRIVE: In jeder Hinsicht eine Ausnahme im Bereich des Metalcore – ausgestattet mit Sprungfedern unter den Füssen, sexy Pobacken-betonenden grünen kurzen Hosen, extremer Spielfreude (remember the circle pit on stage (!!!!!)) und mitreißenden Songs quer durch „Horizons“ und „Deep Blue“ hätten sie eigentlich zu späterer Stunde spielen sollen und nicht so früh am Nachmittag. Aber auch bei Tageslicht war der Spaßfaktor enorm. Der starke Kontakt von Sänger Winston McCall zum Publikum tat sein übriges, um eine erschöpfte und glückliche Meute zurückzulassen.

ARKONA: Wie bereits beim diesjährigen Paganfest sorgten Arkona auch hier wieder für offene Münder – die Mischung aus Pagan Metal und russischer Folklore ist in der dargebotenen Intensität momentan sicherlich einzigartig – wenn Sängerin Masha als „Derwisch in furs“ über die Bühne tobt und die Epen der Band mit brachialer Hingabe brüllt und singt und ihre Mitstreiter auf mitreißende Weise in die selbe Kerbe schlagen, so wird das Metalfest zum Volksfest.

MILKING THE GODMACHINE: Definitiv die Boy- äh Goatgroup des Festivals. Und was die teutonische Melkmaschine auf der Zeltbühne veranstaltete, war Grind at ist best – optisch ein Goat-Schmaus, brachten Goatleeb und seine Mit-Goater die Halle mit Hits der Marke „Surf Goataragua“ zum Überkochen. Fast hätte ich abgemolken – Milking the Goatmachine – the Gods, äh Goats of Grind.




BOLT THROWER sind eine Macht, eine Institution, ein Panzer, der gnadenlos über alles hinwegrollt, und niemand stellt sich ihm in den Weg, alle folgen bereitwillig. Eine über jeden Zweifel erhabene Songauswahl, Klassiker auf Klassiker, eine düstere Lichtshow, die mitunter kaum mehr als Schemata erkennen ließ (was den Brachialfaktor potenzierte), und mittendrin Carl Willets, der einzig wahre BT-Shouter, umhüllt von majestätischem Trockeneisnebel, der seine Worte wie Granatsplitter ins gebannte Auditorium schleuderte. Gewaltig.

DEICIDE: Glen Benton ist wahrlich die Personifizierung des schwarzen Mannes, der wenige Ansagen bringt, die ihrerseits wiederum in keiner Weise notwendig sind – so sehr sind Deicide live eine teuflische Macht, und da auch der Meister extrem gut bei Stimme war, sowohl bei den tiefen Grunzern als auch bei den höheren Kreischen, bleibt nur eines zu sagen: Darkness, thy name is Deicide.

Doch danach fand eine Transformation der besonderen Art statt – denn die Anwesenden, die sich bereits vor Beginn mehrfach in lautstarken Sprechchören ergingen (mir fiel keine andere Band auf, bei der dies der Fall gewesen wäre), mutierten kurzerhand zur Wolfshorde. Richtig, es war Zeit für VARG, das Bertlsche Festivalhighlight. In der obligatorischen Kriegsbemalung inmitten von Fackelständern und massig Trockeneisnebel fanden sie mit „Viel Feind, viel Ehr“ den optimalen Einstieg, und es wurde gebangt, was das Zeug hielt. Und in dieser Tonart ging es weiter – jede der sympathischen Ansagen wurde dankbar aufgenommen, und mehrfach kam es zu „Hey, hey“-Sprechchören, bei denen der Band sichtliche Rührung anzumerken war. Trotz der Strapazen des vortäglichen Metalfest-Gigs gab Sänger Freki alles, und das ist letztlich symptomatisch für Varg, die als kollektiver Leitwolf alles für ihre Horde geben (dass Sille sich danach Eluveitie/Finntroll vor der Bühne ansah, was von den Fans natürlich für etliche Fotosessions genutzt wurde, spricht ebenfalls für sich).

„Wir sind zurück“ – da kann ich nur sagen: Bitte, kommt wieder ! Don’t bark at the moon – HAIL TO VARG ! (bertl)




Auf dieses Comeback haben wohl einige gewartet. DECAPITATED melden sich nach den tragischen Ereignissen von vor knapp drei Jahren an der Front zurück. Die Band wurde komplett neu formiert, nur Gitarrist Waclaw Kieltyka ist noch mit dabei. Dafür gibt’s mit Kerim Lechner an den Drums nun sogar österreichische Beteiligung. Wacker, aber auch etwas unspektakulär zog das Quartett den Auftritt durch, der von schwächelndem Sound begleitet wurde.

BEHEMOTH: Bei dieser Band passt momentan alles. Tolle Performance und der richtige Grad an Coolness gepaart mit hoher Musikalität.

Genau zur richtigen Zeit enterten die schottischen Rabauken von ALESTORM die Planken. Als die Stimmung ob des Regens zu kippen drohte, bewegten sich doch noch einige Hundertschaften gen Bühne, um mit den sympathischen Jungs abzufeiern. Man mag die Musik als seicht und anspruchslos bezeichnen, um wieder etwas Partystimmung aufkommen zu lassen, eignete sie sich aber bestens.

Die griechischen SUICIDAL ANGELS gehören sicherlich zum Besten, das die jüngste Thrash- Welle an die Oberfläche gespült hat. Trotzdem mussten die Senkrechtstarter schon zu früher Stunde kurz nach 12 auf die Bretter. Was sie aber nicht davon abhielt, einen furiosen Gig hinzulegen, der erwartungsgemäß ausschließlich aus Hämmern der aktuellen Scheibe „Sanctify The Darkness“ bestand. Highlight war einmal mehr „The Pestilence Of Saints“. Die überzeugende Darbietung wurde von einem klaren Sound unterstrichen, was über das ganze Wochenende betrachtet, nicht eben selbstverständlich war.

STEELWING’s „Lord Of The Wasteland“ klingt auf Tonkonserve ja recht vielversprechend, die Schweden schafften es nur leider nicht, die Stimmung adäquat rüberzubringen. Auf verlorenem Posten kämpften die True Metaller gegen das schlechte Wetter und das Desinteresse der Metalfest- Besucher an klassischen Heavy- Klängen. Schade, denn Stücke wie „Headhunter“ wären eigentlich Livekracher allererste Güte.

NEVERMORE war eine der Bands, auf die ich mich im Vorfeld am meisten gefreut hatte. Leider konnten sie den- zugegeben sehr hohen- Erwartungen nicht annähernd gerecht werden. Den Seattle- Metallern ist allerdings nur eine kleine Teilschuld anzulasten, was hauptsächlich an der Songauswahl lag. Den Rest besorgte die ungünstige Spielzeit und die inakzeptablen Soundverhältnisse. Viel zu leise bis hin zu einzelnen Ausfällen der Amps und generellem Soundmatsch zum Quadrat. Zudem war Sänger Warrel Dane gesundheitlich angeschlagen was zum nächsten Wermutstropfen führte; der Absage sämtlicher geplanter Interviews.

Die Musik von DESPISED ICON ist ja nun nicht so meines und wenn sich die Protagonisten zusätzlich noch wie Gangsta- Hip Hopper geben, vergehts mir ganz. Dennoch sollte man die Kanadier mal gesehen haben, zumal sie sich mit Ende des Jahres auflösen wollen. Tatsächlich war der Gig einer der spektakulärsten des Tages. Technisch brilliante Musiker, die auf der Bühne förmlich explodierten, dazu zwei Sänger, die sich gegenseitig in Grund und Boden zu brüllen versuchten und das alles bei nahezu optimalen Soundverhältnissen. Ein Fan bin ich zwar dennoch nicht geworden, beeindruckend war diese Live- Macht allerdings schon.

MYSTIC PROPHECY ging es ähnlich wie STEELWING am Tag zuvor an derselben Stelle. Viel zu wenig Publikum, das der klassische Metal der Jungs anzusprechen vermochte. Da half leider weder das übermotivierte Stageacting, noch das Black Sabbath Cover „Paranoid“.

EPICA: Die holländischen Gothic-Rocker um Frontschönheit Simone Simons rockten bei fett-kommerzigem Sound dennoch einigermaßen metal-kompatibel. Einzelne Riffs und Parts sind wirklich heftig, die Songs haben Charisma, auch wenn die schöne Dame ein eher dünnes Stimmchen besitzt. Höhepunkt: Das großartige Solo von Drum-Tier Ariën van Weesenbeek (God Dethroned).




MARDUK: Gewohnt energetisch starten die Schweden ins Programm. Das hilft leider alles nichts: Der Sound ist ein einziger Brei, ein leiser noch dazu. Kein Vergleich deshalb zu den letzten Ö-Gigs im Viper Room oder beim Kaltenbach Open Air, wo die Band gekillt hat. Hier nur aufgrund des Sounds leider nicht.

Nach der mörderischen Show von Testament wartete ich gespannt wie ein Flitzebogen auf die Senkrechtstarter "THE DEVIL‘S BLOOD" aus den Niederlanden, die sich das allererste Mal nach Österreich verirrten. Wie Bandkopf Selim Lemouchi schon vorher im Interview erwähnte, würde es natürlich kein normales Konzert, sondern ein "Ritual" werden. Als Vorbereitung hierzu beginnt er zwei Stunden vor den Shows zu meditieren, um einen direkten Draht zu Satan aufzubauen. Unmittelbar vor dem Auftritt gönnt sich die Band noch eine Schweineblutpackung und dann kanns losgehen, auf die Reise okkulter und satanischer Natur. Die geschätzten 200 Kerzen, die auf den Amps platziert wurden, verstärken die bizarre Wirkung der Band noch. 60er Psychedelic Rock ist wohl nicht jedermanns Sache, denn mittlerweile tummelten sich nur noch wenige Interessierte vor der Bühne. Erstmal war ich überrascht dass sich 3 Gitarristen auf der Bühne tummelten - 2 wären dann ja wohl doch zu gewöhnlich gewesen, die 3 duellierten sich aber gekonnt. Die Band spielte sich wie in Trance durch ihr relativ kleines Songrepertoir ohne auch nur ein bisschen von ihrem Konzept abzuweichen. Kein Klatschen, keine Ansagen, keine Verabschiedung, only Rock'N'Roll. Man fühlte sich wie auf Drogen schwebend in die 60er zurückversetzt. Es wurden übrigens überwiegend die langsamen virtuosen Stücke gespielt, die mit ein paar wenigen Ausbrüchen zu ihren Hard Rock beeinflussten Songs gewürzt wurden. Man muss solches "Ritual" einfach einmal erlebt haben um den Spirit und dieses Flair einzufangen, das über diese faszinierende Musik und Inszenierung transportiert wird.




Nach diesem verstörenden psychedelischen Weichspülgang fürs Gehirn gings weiter in die Partystage um die Birne wieder frei zu bekommen, zur letzten Band des Festivals: "HELLSAW". Und auch die sind Meister der Selbstinszenierung. Mit Feuershow, geschmackssicherem Corpsepaint und martialischem Gehabe, reizen die Steirer sämtliche Black Metal Klischees voll aus. Doch nicht nur das, hier stimmt auch der musikalische Aspekt, zumal auch jede Menge Rock’n’Roll in HELLSAW’s Sound und Show mit einfließt. Großartig, mitreißend und genau der richtige Schlusspunkt nach drei Tagen Party. (kreuznagel)


Postings zum Review:



Hier kannst Du ein Posting eintragen:

Code:
Dein Name:
Deine Email:
Dein Kommentar:
 

Till Burgwächter – Tilicus Glossicus Metallicus (Metalglossen aus der Hölle)

Till Burgwächter, Autor von solch wundervollen Büchern wie „Juhr Gait Tu Hewi Me...more

 
Fuss
|Impressum|