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Rückblick: Summer Nights Festival 2007

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Verfasser:Kreuznagel
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2007-07-11

Eigentlich wollte ich wie bei Festivals üblich schon am Vortag anreisen, musste aber kurzfristig umdisponieren und konnte erst Freitag um 10 losfahren. Wie auch immer, die Fahrt gestaltete sich mühsamer als zuerst gedacht, wegen der vielen verdammten Baustellen zwischen Kärnten und Salzburg. Nach etwas mehr als 3 Stunden wars aber endlich geschafft und nach wenigen Minuten war ein lauschiges Plätzchen inmitten lauter bekannter Gesichter gefunden. Also erstmal gemütlich ein Bierchen gekippt bevor es an den Zeltbau und ans Bändchenholen ging. Am Infostand sah ich dann dass RIGER wegen Krankheit eines Bandmitglieds abgesagt haben, was mich zwar ärgerte aber wegen des immer noch genialen Lineups eigentlich nicht weiter störte. Nach getaner Arbeit hatte ich mir natürlich noch ein Bier verdient, nach dem ich mal die Bühne erkunden wollte. Das war zumindest der Plan, aber ein plötzlich aufkommendes Unwetter mit nicht mehr allzu angenehmen Regenfällen und Hageleinlagen trieb mich mit halbvoller Bierdose schon etwas früher Richtung Bühne, die sich in einem alten Stall befand und so ein trockenes Plätzchen für alle Flüchtenden bot.

Zum Glück, muss ich im Nachhinein sagen, denn sonst hätte ich wohl SERENITY verpasst, die mich diesmal vollends überzeugen konnten, nachdem ich ihren Gig vor 2 Monaten in Villach nicht gerade berauschend fand. War ich damals zu besoffen, desinteressiert, lustlos oder hatten sie wirklich einen schlechten Tag? Keine Ahnung, auf alle Fälle musste ich meine Meinung revidieren, denn die Tiroler lieferten eine geile Show ab und Songs wie „Reduced To Nothingness“ und „Forever“ machten Lust auf mehr. Die Gesangsleistung von Georg Neuhauser war absolut okay und einige auflockernde Grunzparts sorgten für Abwechslung. Einzig die Keyboardklänge klangen zeitweise etwas zu kitschig für meinen Geschmack. Ansonsten Daumen hoch!

Nach SERENITY war das Unwetter schon wieder vorbei und es sollte für das restliche Wochenende angenehm bleiben. Trotzdem blieben einige Schäden zu beklagen, eine Spur der Verwüstung zog sich quer über das Campingareal, so wurde das Red Bull-Zelt nahezu komplett zerstört und ein paar Party-Pavillons wurden regelrecht weggeweht. Die Festivalbesucher nahmens aber relativ locker und für einige wars sogar eine gelungene Abwechslung. Das bisschen Regen vermag doch kein geiles Festival zu trüben.

Die Franzosen DAGOBA wussten schon letztes Jahr im Vorprogramm von SEPULTURA und IN FLAMES an meinen Nervensträngen zu zerren und so war es auch diesmal. Sorry Leute, aber für mich ist das einfallsloses typisches Metalcore Riffing, wie es ca. 1000 andere Bands besser können und mehr als nur überbewertet und alles andere als innovativ und neu, darum verstehe ich den Hype um diese Band ganz und gar nicht. Mehr möchte ich dazu auch nicht sagen, musste ich doch schon vor Ort einige böse Blicke wegen meiner Meinung ernten.

Danach musste ich mich unbedingt mit ein paar Bieren beruhigen und aufgrund der Absage von RIGER und der Verspätung von PUNGENT STENCH habe ich ABORTED, die dadurch vorgezogen wurden, leider nur sehr kurz gesehen. Was ich sah, sprach allerdings eine deutlich brachiale Sprache und glücklicherweise wird es dieses Jahr noch die eine oder andere Möglichkeit für mich geben, ABORTED zu sehen.

HATESPHERE konnten sich vor allem durch ihre extreme Live-Präsenz in den letzten Jahren ein paar Ligen nach oben katapultieren und eine beachtliche Fangemeinde auch in Österreich erspielen. Live sind die Jungs sowieso ein Klasse für sich und man sah in der prall gefüllten Halle nur noch Matten und Körper durch die Gegend fliegen, vom ersten bis zum letzten Ton kochte die Stimmung beinahe über. Highlight für mich wie fast immer: „The Fallen Shall Rise In A River Of Blood“. Ganz groß!

Dänemark im Doppelpack, denn anschließend waren MERCENARY an der Reihe, die sich ausgezeichnet präsentierten. Der neue Mann am Bass füllt die Lücke, die Kral hinterlassen hat perfekt aus und Mikkel kommt mit den Vocals auch ganz gut allein zurecht. Die Setlist bestand vorhersehbarerweise aus Songs der letzten beiden Scheiben, so bekam man Göttergaben wie „Firesoul“, Redefine Me“ und „11 Dreams“ serviert, die begeistert aufgenommen wurden.

Zeit für eine Pause gabs danach bei EISREGEN, die ich mir zum Großteil von draussen zu Gemüte führte. Für die Einen eine Götterband, für die Anderen einfach nur Scheiße, EISREGEN liebt man oder hasst man und jeder mit dem ich über die Thüringer sprach, zählte sie eindeutig zu letzterer Kathegorie. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass das während ihrem Gig und vor der Halle passierte, denn selbige war recht gut gefüllt und der eine oder andere Applaus war auch zu vernehmen. Für meinen Geschmack sind die Herren aber nichts besonderes und so auch an diesem Abend. Nette Hintergrundbeschallung bei einem Bierchen.

TANKARD sind da schon ein anderes Kaliber und goldrichtig um den Stimmungspegel wieder gewaltig nach oben zu treiben. Die Kings Of Beer um Sänger Gerre rotzten sich durch einen furiosen Gig, der alle Anwesenden noch mal so richtig wachrüttelte und zu Höchstleistungen anspornte. Trotz ihrer 25-jährigen Bandgeschichte sieht man den Jungs den Spaß an, allen voran Gerre, der trotz seiner geschätzten 150cm Bauchumfang über die Bühne wirbelt als ob er Kilometergeld kassieren würde, von Routine keine Spur. So was verdient zumindest Respekt! Die Alcoholic Metaller aus Frankfurt lieferten einen der mitreißendsten Gigs des Festivals, es war eine Freude die Thrashveteranen endlich mal live zu erleben.

PUNGENT STENCH, die nach dem eigentlichen Headliner ran durften erlebte ich leider nicht mehr. Warum? Keine Ahnung.

2. Tag

Was gibt es schöneres als am frühen Morgen von metallischen Klängen aus dem Auto des Campingnachbarn (danke an dieser Stelle an Herrn Strrr) geweckt zu werden? Wohl nur ein üppiges Frühstück, bestehend aus ein paar Dosen Bier und einigen Zügen aus der Flasche Gurktaler (danke Herr Bommel), das ich gleich anschließend genießen durfte. Derartig gestärkt kann der Tag ja nur ein guter werden und wenige Minuten später, die ich rastend in hockender Position verbrachte, begab ich mich wieder in Richtung Bühne, um zu sehen was zur Zeit gerade geboten wurde, auf die Running Order konnte man sich eh nicht mehr verlassen.

ULTRAWURSCHT stand am Programm und allein wegen des genialen Namens und einiger Shirts die ich schon am Vortag bewundern durfte, wollte ich die Band gern sehen. Der Name ist bei den Grindcorelern Programm und so holzte (oder wurschtelte) und prügelte sich der Vierer um Frontmann Dr. Mett Wurscht (wie es sich gehört im OP-Kittel) durch ein Set, das mit Titeln wie „Hier Kommt Die Wurscht“, „Oachikaskrainer“ (mit einem grenzgenialen Intro) oder „Leberkas mit Senf“ an den Lachmuskeln zerrte, zu der auch die Wurschtkanone einen nicht zu unterschätzenden Teil beitrug. Da kaum ein Song die 1-Minuten-Grenze überschritt, konnte fast das komplette Album „Dawn Of The New Sauce-Age“ in der knappen halben Stunde verwurstet werden.

Nach der Wurschtpartie gabs wieder eine kleine Bierpause, in der ich erfahren musste, dass DARKSIDE wegen einer Verspätung von wenigen Minuten gecancelt werden mussten. Hätte man sie nicht ein oder zwei Slots nach hinten verschieben können wie am Vortag PUNGENT STENCH?

Offensichtlich nicht, denn der Gig wurde nicht nachgeholt und als ich die Halle wieder betrat starteten gerade PERISHING MANKIND durch. Die Steirer sind ob ihrer permanenten Liveaktivitäten längst keine Unbekannten mehr und konnten so vor ordentlich gefüllter Halle antreten und wohl keiner der Anwesenden wurde hier enttäuscht. Drummerin Beate verdrosch ihr Drumkit als gäbs kein Morgen, obwohl sie immer noch geschätzte 2,8 Promille Alk vom Vortag im Blut haben musste, aber das ist wahrscheinlich Gewöhnungssache und Frontmann Holger wütete wie immer mit seinem Nostalgiemikrophon über die Bühne, das ein Relikt von Jerry Lee Lewis muss. Der Rest der Bande poste und headbangte sich dazwischen immer wieder in den Vordergrund. Zeit für PERISHING MANKIND sich aus dem Underground zu erheben und durchzustarten! Potenzial ist auf jeden Fall genug vorhanden, wie am aktuellen Longplayer „Wonderland“ nachzuhören ist.

Anschließend (wie könnte es anders sein) mussten ein paar Biere zum Abkühlen her und ich musste mich wiedermal fragen, wo die Zeit geblieben ist. Denn als ich wieder aufnahmebereit im akustischen Sinn war, hörte ich gerade noch die letzten Töne von IN SLUMBER. Kacke, die hätte ich gern länger gesehen.

Aber als Entschädigung boten die Spaß-Grinder EXCREMENTORY GRINDFUCKERS einen furiosen Gig, der abwechselnd zum bangen, moshen, brüllen, stagediven oder einfach nur zum Lachen einlud. Bei den GRINDFUCKERS kann man einfach nicht stillstehen und die Menge tobte zu Schlagerevergreens, längst (und gern) vergessenen Popsongs (ich sag nur David Hasselhoff), versetzt mit einer ordentlichen Portion Grindcore. Die Energie, die von den vier Herren entfesselt wurde, sprang nahtlos aufs Publikum über und in der Halle wurde eine riesige Party gefeiert, die wohl so manch einer angeschlagen und heißer wieder verließ.

Die pseudobösen Black Metaller von ENDSTILLE wollte ich mir eigentlich ersparen, denn dieser dünne Rumpelsound ist so gar nicht meine Sache. Ein Grund mehr war, dass diese Typen die Arroganz mit Schaufeln gefressen zu haben scheinen, wie ich bereits mehrfach erleben durfte. Wie auch immer, optisch machen sie was her und darum blieb ich für ein paar Songs bzw. um einige Fotos zu machen, vor allem für meinen lieben Freund Biergerry, der ein großer Fan von ENDSTILLE ist, aber leider nicht dabei sein konnte.

TURISAS hatte ich von ihrer Tour mit den APOKALYPTISCHEN REITERN in guter Erinnerung und freute mich dementsprechend auf die blutbeschmierten Waldschrate, die zu Beginn auch ziemlich gut abgingen und es verstanden das Publikum mitzureissen. Es hat schon was, den hymnenhaften epischen Klängen ihres Battle Metal zu lauschen und die Band in voller Kriegsbemalung in Aktion zu sehen, vor allem nach ENDSTILLE waren die Finnen Balsam für meine Ohren. Aber was war nach ca. 25 Minuten und 5 Songs? Die Band musste die Bühne räumen und schien auch ziemlich angepisst darüber zu sein. Laut Statement des Veranstalters hatte die Umbauphase wegen eines unfähigen Backliners (den die Band selbst stellte) zu lange gedauert und somit musste ihr Set gekürzt werden. Schade, aber nicht mehr zu ändern, da um 2:00 der Saft abgedreht werden musste und schließlich noch 2 Bands in den Startlöchern hockten, über die ich allerdings nicht mehr berichten kann, da ich den restlichen Abend meinem einzigen Laster frönte. Nebenbei bemerkt hätten mich CALIBAN eh nicht interessiert. Warum ich aber BEHEMOTH auch verpasste, kann ich an dieser Stelle beim besten Willen nicht mehr sagen.

Ein grandioses Wochenende fand somit leider wie so oft viel zu früh sein Ende, so bleibt nur zu sagen: Danke an Chris und nicht zuletzt an Günther für ein sehr gut organisiertes Festival mit nur minimalen Schönheitsfehlern (die Sache mit DARKSIDE hätte z.B. anders geregelt werden können, keine Sanis vor ort), die im nächsten Jahr (auf einem anderen Gelände) sicherlich ausgebügelt werden können.



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Till Burgwächter – Tilicus Glossicus Metallicus (Metalglossen aus der Hölle)

Till Burgwächter, Autor von solch wundervollen Büchern wie „Juhr Gait Tu Hewi Me...more

 
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