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Kaltenbach Open Air 2007 – Hüttengaudi Teil V am Semmering

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Verfasser:Eirikr
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2007-08-15

Jaja, das KOA etabliert sich schon recht deftig. Zum 5. Streich ausholend ist das Festival inzwischen nicht mehr nur national die Größe im Metal, sondern hat auch international durchaus seinen Bekanntheitsgrad erlangt, was sich auch an der Verbreiterung der Nationalitätendurchmischung der anwesenden Metalheads immer mehr widerspiegelt.

Spittal am Semmering, 13.+14. Juli 2007

Vorweg muss man natürlich erwähnen, dass es doch einige Veränderungen gab am diesjährigen Kaltenbach Open Air. Zum einen durfte man nicht mehr direkt am Kaltenbach, jenem namenspendenden Nass, welches sich talwärts nach Spittal am Semmering quält, campen. Es sei denn man war Angehöriger der Escape Crew und Konsortium, oder konnte dies zumindest glaubhaft versichern. Somit musste man entweder zum beliebten Schieferwiesenwirt ausweichen, sofern man früh genug dran war, an den steinigen Serpentinen seine Zeltstatt aufschlagen, sofern man mit gutem „Liegefleisch“ oder einer Luftmatratze gesegnet war, oder schlicht und einfach am schiefen Hang vom Schieferwiesenwirt talwärts zum Festivalgelände campen, was bei dem einen oder anderen möglicherweise über Nacht zur Beeinträchtigung der Orientierung geführt haben könnte (man wacht irgendwie immer in einer Schräglage oder auf seinem/r ZeltpartnerIn auf...; ach deshalb Schief(er)wiese!). Mir war es wurscht, ich bin sowieso Stammgast der ersten Stunde oben beim Wirt. Einigen anderen war es auch egal, da die Nächtigungen bei den einzelnen ortsansässigen Unterkünften heuer auch merklich zugenommen hatten. Ansonsten fand ich, dass die Organisation heuer erneut eine Spur professioneller abgelaufen ist und man somit nach wie vor am richtigen Weg ist.

Nun aber zum Essentiellen, den Bands:

Aufgrund des kurzfristigen Abspringens von Napalm Death als Freitags-Headliner war es für den Veranstalter naturgemäß schwierig einen gleichwertigen Ersatz aufzutreiben. So blieb dem Team nichts anderes übrig als Dark Funeral im Lineup raufzurücken und die österreichischen Black/Death-Bolzer von Belphegor nachzuschieben.

Der Freitag startete mit Raw, bei denen ich wohl in etwa kurz vor dem Semmeringtunnel unterwegs gewesen sein dürfte und somit nichts über die steirischen Symphonic/Gother berichten kann. Danach folgte das österreichische Trio Varulv, welches sich unter anderem aus den Resten von Impurity zusammen setzt, und ich muss sagen, was ich da während des Zeltaufbaues gehört hatte, tat nicht so schlecht zwischen Hammer, Amboss und Steigbügel. Ich hoffe sie einmal beim Spielen auch sehen zu können. Anschließend enterten die Wiener Haudegen von Defender.KFS die Bühne, eine illustre Runde um Pungent Stench/Vargsriket-Member Gore. Auch hier war es mir nur vergönnt die ausklingenden Takte mitzuerleben, galt es doch am Weg talwärts einige der übelsten Verdächtigen zu begrüßen. Den Publikumsstimmen zufolge scheint es aber nicht ihr schlechtester Gig gewesen zu sein.
Danach folgten die Steirer Erebos. Ich muss gestehen, diese waren mir lediglich namentlich bekannt. Ein Umstand, der sich dann sofort zu ändern hatte, denn die Vorstellung der Murauer Melodic Deather rund um ihren offensichtlich noch oder schon wieder etwas – ähem – „exhaustierten“ Sänger war mehr als beeindruckend! (an dieser Stelle fällt mir ein, dass ich das aktuelle Album noch nicht geordert habe!). Ein erstes heimisches Highlight des Festivals.

Hierauf folgten Freund Hein aus Höllenstein, welche bekanntlich immer für einen Gig der etwas schrägeren Art gut sind – optisch wie akustisch. Auch diesmal war das Erscheinungsbild – von der Perücke über den Overall bis hin zur erotischsten „Frau“, die/der je die Gitarre geschwungen hat – wohl das krasseste des Festivals. Die musikalische Darbietung brachte einiges vom aktuellen Album „Chaos Immanent“ wie etwas „White Dictator“ auf den Gabentisch und war auf gewohnt hohem technischen Niveau, aber auch der „Song“ mit Namen „Sandwich“ überraschte, dauerte er doch gerade mal ca. zwei Sekunden. Sehr gelungen fand ich dann noch die Nummer „Sorry I Forgot To Pray“. Weiter so!

Schließlich erklimmten die „bergischen Löwen“ von Obscurity die Bühne, eine melodic Black Metal Combo aus dem deutschen Bergisch Land, die ob der Flachheit ihrer Heimat nun wohl endlich erfuhren, was Berge wirklich sind. Dargeboten wurden durchaus melodisch-hymnische Werke der Band, unter anderem vom aktuellen Album „Schlachten & Legenden“, was von Teilen des Publikums auch recht euphorisch aufgenommen wurde. Im Prinzip ein recht gefälliger Gig, wobei mir Teile der Nummer „Bergische Löwen“ von der Melodie her (!, nicht textlich) etwas zu knapp an Böhse Onkelz´ „Schwarz-Rot-Gold wir stehen zu dir“-Passagen kratzten und auch die vorletzte Nummer phasenweise nahe an deren „Freitag Nacht in Frankfurt“ erinnerte, aber sei´s drum. Erfreulich war, dass die Band dann noch eine Zugabe abliefern durfte, wobei hierbei eine kleine Panne passierte, denn als sie wieder anfingen zu spielen hatte der Soundmischer noch nicht Rammsteins „Asche zu Asche“ abgedreht, das bereits zuvor als Pausenmusik reingeworfen wurde, während die Band noch nicht wirklich zu hören war.

Nun schwärzten die „Chaosgate Guardians“ von Sanguis die Bühne, die mir auch schon das eine oder andere Mal zuvor vor Aug und Ohr gerutscht waren. Wie jedoch für eine noch weniger etablierte Black Metal Band üblich spielten sie natürlich am helllichten Tag, was der Atmosphäre des Musikstils selbstredend einiges zu rauben vermag, aber auf Festivals ist dies ohnehin ein übliches Bild und lässt sich natürlich aus organisatorischen und Vertragsgründen schwer modifizieren. Nichts desto trotz ließen sich die Grazer nicht beirren und präsentierten sich kraftvoll und selbstbewusst, und fanden durchaus ihre Gefolgschaft im Publikum.

Bei den darauffolgenden Sarkom wurde ich leider während des Bierholens in einige Gespräche verstrickt, wie es auf Festivals nun mal nicht selten vor kommt, konnte ihnen folglich nicht jene Aufmerksamkeit schenken, wie ich es gerne getan hätte. Den Abschluss der norwegischen Performance bildete jedoch dann nebst einem Darkthrone-Cover (ich glaube mich an „In The Shadow Of The Horns“ zu erinnern) „The Chosen One“, dem ich glücklicherweise noch beiwohnen durfte. Dann waren sie fort... Nun wurde es Zeit für einen Stilschwenk und hierbei bediente man sich mit Gorerotted nicht gerade jemandes Unbekannten im Grind/Death-Sektor. Sympathisch viel mir natürlich gleich das Vargsriket-Shirt des Bassisten Mr. Smith auf, der damit klarstellte zu wissen, dass er nicht in „Australia“ spielt. (Vielleicht hat ihn aber auch El Gore im Backstagebereich überfallen und dabei einen Trikottausch erzwungen? ;) Man wird es nie erfahren). Die Vorstellung der Briten war auf jeden Fall auf sehr hohem Niveau und schien Band wie Publikum in gleicher Weise Spaß zu bereiten, nicht zuletzt weil doch einiges der ersten beiden Alben in die aufgewühlte Menge geschleudert wurde. Nach einer kurzen Zugabe ging´s dann runter zu den Fans um noch den eine oder anderen Durstlöscher zu kippen.

Im Sinne der Stilrotation fand abermals ein klarer Bruch statt und man bereitete die Bühne für Týr vor. Nun, was soll ich sagen. Ich mag die Jungs seit ihrem „Eric The Red“-Album einfach. Irgendwie haben sie es geschafft, aus dem doch etwas stagnierenden Vikingmetal wieder etwas Neues entstehen zu lassen, auch wenn sie mit den Härtereglern klar nach unten gefahren sind und mehr Melodie als handelsüblich eingebaut haben. Die Stimme wird natürlich auch entsprechend unverkennbar angelegt und eine Prise Folklore kann man sowieso nicht von der Hand weisen. Ihr Publikum haben sie aber längst, wie ich mich zuletzt auch im Escape Metalcorner in Wien überzeugen konnte. Allerdings fiel mir diesmal mehr denn je auf, dass ein Teil der weiblichen Fans (und diese waren nicht in der Unterzahl) eher wegen den nackten Oberkörpern von Bassist Terji und Sänger Heri anwesend zu sein schienen, welche dann auch dementsprechend oft geknipst wurden. Wie üblich wurden „Hail To The Hammer“ und „The Wild Rover“ abgefeiert und wie immer glaubten nachher einige, die Spaßversion „An der Nordseeküste“ von Klaus&Klaus anstelle des alten Traditionals „The Wild Rover“ gehört zu haben, den Kommentar dazu spare ich mir. Eine gelungene Vorstellung des Färöer Vierers.

Danach kamen die Tiroler Dornenreich dran. Für mich war es jedoch Zeit ein Plauscherl im Backstagebereich zu halten, wodurch ich nur die Möglichkeit hatte zwischendurch mal kurz auf die Bühne zu linsen. Hier ging man zwar bemüht ans Werke, wirklich erwärmen konnte ich mich für die Darbietung jedoch nicht. An der einen oder anderen Passage dachte ich mir: wenn Eisregen etwas mehr in diese Richtung agieren würden, könnte ich vielleicht sogar mit den Deutschen etwas mehr anfangen, wirklich vom Hocker reißen konnten sie mich dann jedoch trotzdem nicht. Und so ging ich zurück zum Tresen und überließ die durchaus reichlich angetretenen Zuschauer ihrem Schicksal.

Nun polterten die Mannen von Samoths´ Zyklon über die Bühne, bei bereits angenehmen Lichtverhältnissen und ich muss sagen es war für mich eine der mitreißendsten Shows des ersten Abends, wenn auch im Verlaufe des Gigs etwas mehr Abwechslung gut getan hätte. Der Sound war auf jeden Fall ausgesprochen kraftvoll und satt, und die Musiker stammen sowieso allesamt vom Fach. Technisch brillant und auf höchstem Niveau vorgetragen, Nummern wie „Psyklon Aeon“ oder „Core Solution“ durften sowieso nicht fehlen. Jederzeit gern wieder!

Die darauffolgenden Legion Of The Damned rissen mich ehrlich gesagt nicht wirklich vom Hocker, wiewohl der fortgeschrittene Abend und entsprechende Alkoholspiegel es mir schon erschwerten, mit ihnen hart ins Gericht zu ziehen. Darum machte ich das Beste daraus, ließ mich berieseln, fotografierte auf Damenwunsch hin mehrmals die außergewöhnlich langen Haare der Herrschaften (von Drummer Erik Fleuren mal abgesehen) aus den Niederlanden und bereitete mich innerlich auf den Gig von Belphegor vor, nachdem man mir im Backstagebereich ein gutes Konzert der Salzburger zugesichert hatte.

Nun denn war es auch soweit und Belphegor gingen sofort ans Eingemachte. Von den letzten drei Alben wurde reichlich derber Stoff präsentiert, wie etwa „The Goatchrist“, „Diaboli Virtus In Lumbar Est“, „Sepulture Of Hypocrisy“ oder „Lucifer Incestus“. Ein außergewöhnlich mitreißender Gig der nachgerückten Co-Headliner. Oft gesehen, aber kaum jemals genialer erlebt als in dieser Nacht in den östlichen Ausläufern der Alpen! Selbst der eine oder die andere VerabscheuerIn dieser polarisierenden Band ließen sich zu Beifall hinreißen und ich selbst war sowieso beglückt.

Von Dark Funeral kann ich dann leider nur noch sagen, dass der Sound bei den ersten Nummern doch relativ schlecht war. Da sich auch der Großteil meiner ReisegefährtInnen Richtung Zelt und Jause und Gute-Nacht-Bier verabschiedet hatte, ich selbst schon entsprechend viel musikalischen Input und eine Überdosis frische Bergluft an jenem Tag erfahren hatte, gab auch ich auf und wankte heimwärts in dem Glauben ohnehin nicht mehr viel versäumen zu können. In voller Vorfreude auf den nächsten Tag und mit zufriedenem Gefühl über Erlebtes.

...Fotos: Kaltenbach Open Air 2007 - Festival Impressionen


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Till Burgwächter – Tilicus Glossicus Metallicus (Metalglossen aus der Hölle)

Till Burgwächter, Autor von solch wundervollen Büchern wie „Juhr Gait Tu Hewi Me...more

 
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